Der Aberdare Nationalpark ist ein Nationalpark der anderen Art. Hier gibt es keine weiten Savannen, keine staubigen Pisten und keine Löwen, die gemächlich auf Termitenhügeln schlafen. Stattdessen: dichter Bergnebelwald auf über 2.500 Metern, moorartige Hochlandlandschaften nahe 4.000 Metern, donnernde Wasserfälle und eine Wildlife-Beobachtung, die im Dunkeln stattfindet – während du vom Bett aus, durch Glasscheiben, Elefanten und Büffel beim nächtlichen Trinken beobachtest. Der Aberdare ist ein Erlebnis für sich.
Geographie und Lage
Das Aberdare-Gebirge (auf Suaheli auch “Nyandarua” genannt) ist ein vulkanisches Mittelgebirge in Zentralkenia, das sich parallel zum Mount Kenya erstreckt. Der Nationalpark umfasst 767 Quadratkilometer und gliedert sich in zwei sehr unterschiedliche Zonen:
Den Salient (auf etwa 1.800–2.500 m Höhe): Ein keilförmiger Ausläufer nach Osten, bewachsen mit dichtem Bergwald. Hier leben die berühmten Lodges Treetops und The Ark, und hier sind die Wildlife-Sichtungen am häufigsten.
Das Hochplateau (2.500–4.001 m): Offene Moorlandschaft, Bambuswälder, Rhododendronfelder und der höchste Punkt, der Ol Donyo Satima (4.001 m). Hier ist es kalt, neblig und weniger als Wildlife-Ziel, dafür spektakulär für Wanderer.
Eintritt und Zugang
Eintritt: USD 52 pro Person pro Tag
Öffnungszeiten: 6:00–19:00 Uhr
Kein Selbstfahren im Salient nach Einbruch der Dunkelheit – Transfer von den Lodges ist obligatorisch
Im Hochplateau: Selbstfahren mit 4WD möglich
Wichtig: Der Aberdare ist vollständig mit einem Elektrozaun umgeben, der 2009 fertiggestellt wurde. Dieser Zaun schützt sowohl die Wildtiere im Park als auch die umliegenden landwirtschaftlichen Gemeinden. Alle Zufahrten erfolgen über bewachte Tore.
Treetops Lodge: Die bekannteste Nacht Kenias
In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1952 übernachtete Prinzessin Elizabeth in einer Baumhütte über einem Wasserloch im Aberdare-Wald. Sie ging als Prinzessin schlafen und wachte als Königin auf – König George VI. war in dieser Nacht in England gestorben. Die Baumhütte hieß Treetops.
Das ursprüngliche Treetops wurde 1954 von Mau-Mau-Kämpfern niedergebrannt und später größer wieder aufgebaut. Das heutige Treetops ist ein mehrgeschossiges Gebäude auf Stelzen über einem beleuchteten Wasserloch und einem Salz-Lick. Gäste verbringen die Nacht in kleinen, schlichten Zimmern und beobachten von einem offenen Deck oder durch Glasfenster die Tiere, die in der Nacht kommen.
Praktische Infos:
- Preis: ab USD 350 pro Nacht (Vollpension inklusive, Transfers von Outspan Hotel)
- Keine Kinder unter 7 Jahren
- Alle Gäste werden im Outspan Hotel in Nyeri aufgenommen und von dort gemeinsam zum Park gefahren (Transfer inklusive)
- Gepäck bleibt im Outspan – nur Übernachtungsgepäck kommt nach Treetops
- Website: fairmont.com/treetops-kenya
Was nachts zu sehen ist (typisch): Elefanten, Büffel, Wasserschweine, Hyänen, Genets; gelegentlich Nashörner und Leoparden. Ein Ranger gibt Einschläferungssignale, wenn seltene Tiere erscheinen.
The Ark Lodge
The Ark ist das direktere Pendant zu Treetops – ein großes Schiff-ähnliches Gebäude (daher der Name), ebenfalls über einem Wasserloch und Salz-Lick im Aberdare-Wald gebaut. Das Konzept ist dasselbe: Ankunft am Nachmittag, Abendessen an Bord, Nachts-Wildlife-Beobachtung von Decks und Sichtfenstern aus verschiedenen Ebenen.
The Ark ist etwas größer als Treetops und bietet verschiedene Beobachtungsebenen (Außendecks, überdachte Plattformen, ein Bunker-Level auf Bodenniveau für intensive Nahbegegnungen).
Praktische Infos:
- Preis: ab USD 300 pro Nacht (Vollpension inklusive, Transfers von Aberdare Country Club in Mweiga)
- Ähnliches System wie Treetops: Gäste werden im Country Club empfangen
- Website: thearkkenya.com
Wildtiere im Aberdare
Der Aberdare ist berühmt für seine ungewöhnliche Artenvielfalt im Bergwald:
Bongo-Antilope (Tragelaphus eurycerus): Das heilige Tier der Aberdares – leuchtend rotbraun gestreift, mit langen, gedrehten Hörnern. Eine der seltensten Waldantilopen Afrikas. Im Aberdare lebt eine der letzten gesunden Bergbongo-Populationen. Sichtungen sind selten aber möglich, besonders in der Abenddämmerung an Wasserlöchern.
Elefanten: Große Populationen, besonders im unteren Salient. Aberdare-Elefanten gelten als besonders groß.
Büffel: Häufig, oft in Herden von 50–200 Tieren.
Nashörner: Kleine aber stabile Population Spitzmaulnashörner im Park.
Leoparden: Vorhanden, nachtaktiv – Wasserlöcher nachts bieten die besten Chancen.
Schwarze Serval: Melanistische (schwarze) Servalkatzen kommen im Aberdare vor – eine seltene Farbvariante.
Colobus-Affen: Im Waldgürtel häufig.
Vögel: Über 290 Arten, darunter der Hartlaub-Turako und der Aberdare-endemische Cisticola.
Wasserfälle im Aberdare
Der Aberdare ist wasserreich. Drei besonders schöne Wasserfälle sind gut zugänglich:
Karuru Falls: Dreistufiger Wasserfall mit insgesamt 273 Metern Fallhöhe – einer der höchsten Wasserfälle Kenias. Gut zu Fuß erreichbar.
Gura Falls: Stürzt 300 Meter in eine enge Schlucht. Weniger zugänglich, aber spektakulärer.
Chania Falls: Nahe dem Treetops-Bereich, relativ leicht erreichbar.
Anfahrt nach Aberdare
Von Nairobi nach Nyeri (für Treetops): 130 km, ca. 2 Stunden auf der A2. Transfer zum Outspan Hotel arrangieren.
Von Nairobi nach Mweiga (für The Ark): Ca. 150 km, 2,5 Stunden. Aberdare Country Club liegt in Mweiga, 10 km von Nyeri entfernt.
ÖPNV: Matatus und Busse nach Nyeri (KES 350–500 von Nairobi). Taxis vom Nyeri-Busbahnhof zum Outspan Hotel.
Häufige Fragen zum Aberdare Nationalpark
Kann man den Aberdare ohne Übernachtung in Treetops oder The Ark besuchen?
Ja. Tagesbesuche über die Parktore sind möglich (USD 52 Eintritt). Es gibt Picknickplätze und Wanderwege im Hochplateau-Bereich. Allerdings ist das einzigartige Erlebnis des Parks die Nächtigung in einem der Baumhäuser – ein reiner Tagesbesuch verpasst das Herzstück des Parks.
Wie kalt wird es im Aberdare nachts?
Im Salient (ca. 2.000 m) sinken die Temperaturen auf 10–14°C nachts. Im Hochplateau (über 3.000 m) kann es auf unter 5°C abkühlen. Pack warme Kleidung – auch im “Sommer” Kenias.
Ist der Aberdare für Kinder geeignet?
Treetops und The Ark haben Mindestaltersgrenzen (7 bzw. 5 Jahre). Das Hochplateau ist mit Kindern gut zu wandern, aber die Wege können matschig sein. Die Nächtigung in einem der Baumhäuser ist ein unvergessliches Erlebnis für ältere Kinder.